Im Januar 2026 erreichte uns dieser Erfahrungsbericht einer Studierenden, der die Relevanz der Unterstützungsarbeit sehr persönlich aufzeigt.
"Das Madam Courage-Stipendium spielt eine entscheidende Rolle für Alleinerziehende, die unter strukturell schwierigen Bedingungen eine Hochschulausbildung absolvieren. Insbesondere für Alleinerziehende aus Nicht-EU-Ländern ist diese Unterstützung oft ausschlaggebend dafür, ob sie ihren akademischen Weg fortsetzen oder aufgeben. Im Gegensatz zu EU-Bürgern haben Nicht-EU-Studierende in der Regel keinen Anspruch auf deutsche oder EU-Sozialleistungen, Wohngeld oder Familienförderungen. Dieser fehlende Zugang schafft eine Schwachstelle, die zwar selten sichtbar ist, den Alltag und die akademischen Möglichkeiten jedoch tiefgreifend prägt.
Als alleinerziehende Mutter aus einem Nicht-EU-Land trug ich die volle Verantwortung für mein Kind, mein Studium und mein finanzielles Überleben, ohne den Schutz staatlicher Sicherheitsnetze. Das Madame-Courage-Stipendium war daher nicht einfach nur ein Stipendium, sondern eine unverzichtbare Unterstützung, die mir das Studium überhaupt erst ermöglichte. Es ermöglichte mir, immatrikuliert zu bleiben, alle erforderlichen Kurse zu absolvieren, meine akademischen Credits zu erwerben und erhebliche Fortschritte in Richtung meines Abschlusses zu machen, während ich gleichzeitig die Verantwortung für die Kinderbetreuung allein wahrnahm.
Finanzielle Unsicherheit ist eines der größten Hindernisse für Alleinerziehende im Hochschulbereich. Die ständige Unsicherheit wirkt sich nicht nur auf die materiellen Bedingungen aus, sondern auch auf die Konzentration, die emotionale Belastbarkeit und die Fähigkeit, akademische Pläne zu schmieden. Durch die Verringerung dieses Drucks schuf Madame Courage die notwendige Stabilität für eine nachhaltige akademische Arbeit. Anstatt mich auf das tägliche Überleben zu konzentrieren, konnte ich mich auf das Lernen, die Forschung und langfristige Ziele konzentrieren.
Die Auswirkungen des Stipendiums gingen über meinen akademischen Fortschritt hinaus. Für mein Kind bedeutete es ein stabileres Zuhause und einen Elternteil, der emotional präsent sein konnte, statt von Stress überwältigt zu werden. Die Unterstützung eines Alleinerziehenden bedeutet daher, eine ganze Familie zu unterstützen und gleichzeitig in die Zukunft eines Kindes zu investieren.
Ebenso wichtig war die Botschaft hinter dem Stipendium. Madame Courage bot Vertrauen statt Urteile und erkannte, dass akademische Wege nicht linear sind, insbesondere für diejenigen, die keine institutionelle Unterstützung haben. Dieses Vertrauen stärkte mein Selbstwertgefühl und meine Motivation und ermöglichte es mir, trotz der Hindernisse weiterzumachen.
Mit Blick auf die Zukunft ist es mein Ziel, nicht nur mein Studium abzuschließen und wieder Stabilität zu gewinnen, sondern auch etwas zurückzugeben. Sobald ich beruflich und finanziell besser gestellt bin, möchte ich selbst Spenderin bei Madame Courage werden. Ich möchte genau die Sache unterstützen, die mir geholfen hat, und dazu beitragen, dass andere Alleinerziehende – insbesondere diejenigen, die von öffentlichen Unterstützungssystemen ausgeschlossen sind – nicht aufgrund ihrer Lebensumstände gezwungen sind, ihre Ausbildung aufzugeben.Madame Courage steht für einen Kreislauf der Solidarität, und ich hoffe, in Zukunft Teil dieses Kreislaufs zu sein."
Familie T.
31.12.2025
Münster